Bei welchen Beschwerden kann die Chiropraktik helfen?

Die Chiropraxis gehört genau wie die Osteopathie zum manuellen Therapiespektrum und versteht sich als Reflextherapie. Funktionsstörungen und Krankheiten werden ausschließlich unter Einsatz der Hände des Therapeuten behandelt.
In einem Gespräch eines Chiropraktikers aus Berlin haben wir herausgefunden, dass das Behandlungsprinzip auf der Überzeugung basiert, dass viele Beschwerden wie beispielsweise Kopf- und Rückenschmerzen aber auch Schwindel und Tinnitus auf Blockierungen oder Fehlstellungen der Wirbelsäule oder Gelenke beruhen. 

Der Begriff Chiropraktik umfasst mehre Techniken, die entsprechend der gesundheitlichen Problematik angewendet werden.

Bei den einzelnen Techniken handelt es sich um:
– die Adjustierung, mit der Subluxationen an der Wirbelsäule aufgehoben werden, um den Druck auf das Rückenmark und die Spinalnerven zu mindern oder zu beseitigen.
– die Traktion, um Gelenkpartner voneinander durch Zug zu trennen. Das Ziel ist eine Druckminderung sowie eine Entlastung und Schmerzlinderung. Auch die Beweglichkeit der Gelenkkapsel sowie der Bänder wird verbessert. 
– das translatorische Gleiten (Mobilisation), bei dem die Gelenkanteile parallel gegeneinander bewegt werden, wodurch sich die Beweglichkeit aber auch das Gelenkspiel erhöht. 
– die Weichteilbehandlung, die auf Dehn- und Entspannungstechniken beruht und so die Muskulatur verlängern kann. 
– unterschiedliche Reflextechniken, mit denen durch Nutzung der Nervenreflexe Muskelspannungen und Schmerzwahrnehmungen beeinflusst werden. Die kognitiven Bereiche sowie das vegetative Nervensystem können angesprochen werden.

Blockaden lösen mit chirotherapeutischen Griffen

Besonders bei Rückenschmerzen im unteren Bereich (LWS) aber auch im oberen Segment (HWS) inklusive Schulterbereich sowie in den Peripheriebereichen (Schulter, Becken und Brustkorb) kommt es häufig zu schmerzhaften Verspannungen und Blockaden. Letztere gelten als die Wurzel allen Übels. 
Die dort auftretenden schmerzhaften Auswirkungen von Gelenkblockaden werden mit sogenannten Reflexbögen (Nervenverbindungen) erklärt. Mit ausgewählten chiropraktischen Handgriffen im Rahmen einer weichen Mobilisation werden diese Reflexbögen beeinflusst, nachdem der Therapeut die Ursache für eine Blockade durch Drücken seiner Hände auf Muskeln und Knochen definiert hat. Dieser Druck in Verbindung mit Längs- und Querdehnungen zur Faserrichtung kann ausreichen, um zum Beispiel einen verzogenen Wirbel wieder richtig zu positionieren. 
Reicht diese Dehnung nicht aus, wird die sogenannte harte Technik der Manipulation angewendet, um gezielt gestörte Gelenkbewegungen zu verbessern. Mit einem schnellen aber kontrollierten Handgriff wird erreicht, dass sich alle Muskeln und Gelenke, die unter Spannung stehen, reflexartig lockern. Dabei wird der Wirbel oder das Gelenk nur minimal über das Normalmaß hinausbewegt. Und schon “knackt“ es. Bei einer akuten Wirbelblockade reicht meistens eine Behandlung aus. Häufig aber sind mehrere Behandlungen erforderlich. 
Zu diagnostischen Zwecken geht dieser manipulativen Behandlung oft eine bildgebende Diagnostik voraus. 
Die harte Technik darf nicht angewendet werden bei Osteoporose, Fehlbildungen und Knochentumoren. Hier ist ein Video zum Thema Beckenschiefstand:

Auch ein steifer Nacken und Muskelverspannungen, die eine Schonhaltung auslösen, sind oft sehr gut durch einen Chiropraktiker zu behandeln, 

Was ist HVL

Die einzelnen Anwendungsbereiche sind eingebettet in das Behandlungskonzept “High Velocity, low Amplitude (HVL) zu Deutsch: hohe Geschwindigkeit, niedrige Amplitude“. Dabei wird bei jedem Handgriff mit energiereichen und schnellen Impulsen gearbeitet. Gelenke und Gewebe werden bei dieser Technik nur minimal bewegt. 

Durch eine kurzfristige Unterbrechung der Nervenreize können die Blockaden schließlich gelöst werden. Im Ergebnis sinkt die Muskelspannung und das vorher blockierte Gelenk ist wieder frei. 
Auf diese Weise kann auch ein Hexenschuss erfolgreich behandelt werden. Durch dieses Zusammenspiel sind, wenn die Diagnose korrekt erstellt wurde, zu 90 % die Beschwerden unmittelbar nach der Anwendung verschwunden. Innerhalb von ungefähr zwei Stunden sind sie bei den verbleibenden 10 % nicht mehr vorhanden. 
Auch wenn verspannte und verhärtete Muskeln die kleinen Gelenke in den Wirbelzwischenkörpern der Wirbelsäule unbeweglich machen, kommt die Chirotherapie zum Einsatz. 

Das Erkennen von Verkettungen

Die Grundlage von jedem Handgriff ist das Erkennen von Zusammenhängen. Verkettungen können immer wieder dazu führen, dass sich die Probleme über unterschiedliche Segmente erstrecken. Schmerzen an der Wirbelsäule können zum Beispiel durch eine Reizung oder Entzündung am Wadenbeinköpfchen entstehen. Andererseits kann diese Symptomatik auch zu Schmerzen an der Ferse führen. 
Wird ein Tennisarm diagnostiziert, kann die Ursache aber auch eine Blockierung im Halswirbelbereich fünf und sechs sein. 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Muskelverspannungen reguliert, Gelenke stabilisiert, Schmerzen beseitigt und Koordinationen durch Behandlungen beim Chiropraktiker geschult werden.